Dieser Blogartikel wurde von Markus Aehle verfasst und ist im Rahmen seiner Bachlorarbeit entstanden. Er ist Sporttherapeut, Physiotherapeut, Heilpraktiker und zusätzlich spezialisiert auf Applied Kinesiologie und Osteopathie. Weitere Informationen zu seiner Person und seiner Arbeit finden Sie auf seiner Website

Sportmotorische Fähigkeiten und Fertigkeiten

Sportmotorische Fähigkeiten bilden eine Grundlage zur Ausübung von sportlichen und auch alltäglichen Aufgaben. Eine Fähigkeit wird allgemein als eine Leistungskomponente beschrieben, welche situationsunabhängig abgerufen werden kann. Dem gegenüber stehen die (sportmotorischen) Fertigkeiten, welche sehr spezifisch einer Situation oder sportlichen Aktivität zugeordnet sind (Schmidt & Wrisberg, 2008). Ein Beispiel für eine Fertigkeit ist das Dribbling mit dem Fußball oder der Korbwurf im Basketball. Um diese Aktionen bestmöglich auszuführen sind aber auch die Fähigkeiten unabdingbar.

Die Fähigkeiten können in konditionelle und koordinative Fähigkeiten unterteilt werden (Bös, 1987). Zu den konditionellen Fähigkeiten gehören Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und im weiterem Sinne die Beweglichkeit. Gleichgewicht, Orientierung, Rhythmus, Antizipation und weitere werden zu den koordinativen Fähigkeiten gezählt.

In der Trainingswissenschaft und auch im Leistungssport gibt es ein sehr großes Interesse, das Training zu verbessern und somit die Leistungsfähigkeit des Trainierenden zu erhöhen. Eine Vielzahl von Trainingsmethoden wurden und werden in wissenschaftlichen Studien auf ihre Effektivität überprüft. Das erworbene Wissen kommt den Athleten aber auch Personen im Gesundheitssport und Therapie zu Gute. So konnten bereits verschiedenste Trainingsprogramme für spezifische Altersgruppen und/ oder Krankheitsbilder in den therapeutischen Prozess übernommen werden und einen wichtigen Baustein für den Weg zurück in den Alltag der betroffenen Person einnehmen. Zu diesen Trainingsprogrammen zählen u.a. Krafttraining für Ältere (Borde, Hortobágyi & Granacher, 2015) oder Bewegungsinterventionen zur Behandlung von Depressionen (Cooney, Dwan, Greig, Lawlor, Rimer, Waugh, McMurdo & Mead, 2013).

Studie zum Schnellkrafttraining

Im Rahmen meiner Bachelorarbeit beschäftigte ich mich mit der Schnellkraft, einer Kombination aus den konditionellen Fähigkeiten Kraft und Schnelligkeit bezogen auf die untere Extremität. Freiwillige Studierende der Universität Potsdam nahmen an dieser Studie teil und trainierten für sechs Wochen dreimal pro Woche. Die Studenten wurden in zwei Gruppen unterteilt. Die erste Gruppe führte ein klassisches Schnellkrafttraining durch, das bedeutet, sie trainierten an Geräten mit einer mittleren Intensität und schnellstmöglicher Bewegungsausführung. Die zweite Gruppe absolvierte verschiedene Laufübungen auf einem Laufband, welches mit Expandern ausgestattet war. Somit wurden alle Übungen gegen einen Widerstand ausgeführt.

Die Auswertungen der Ergebnisse zeigte, dass beide Trainingsmethoden die Schnellkraft verbessern konnten. Die Bodenkontaktzeit verkürzte sich in beiden Trainingsgruppen überzufällig häufig (= signifikant). Dies entspricht einer kürzeren Verweildauer des Fußes auf dem Boden während eines 20m-Sprints und somit einen schnelleren Abdruck des Fußes vom Untergrund. Zusätzlich erhöhte sich auch in beiden Trainingsgruppen die Schrittfrequenz während des 20m-Sprints. Die zwei Komponenten haben einen Einfluss auf die Sprintzeit, welche sich durch diese Leistungssteigerung verringert und in einer Erhöhung der Sprintgeschwindigkeit im 20m-Sprint resultiert (Prieske, Krüger, Aehle, Bauer & Granacher, 2018).

Durch beide Trainingsprogramme kann die Schnellkraft verbessert werden. Im Vergleich der Gruppen miteinander kann kein statistischer Unterschied in den gemessenen Parametern festgestellt werden. Daher sind beide Programme als gleichermaßen effektiv zu bewerten.

Bei weiteren Interesse zu dieser Studie erhalten Sie über diesen Link Zugriff auf den Originalartikel:

https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fphys.2018.00156/full?&utm_source=Email_to_authors_&utm_medium=Email&utm_content=T1_11.5e1_author&utm_campaign=Email_publication&field=&journalName=Frontiers_in_Physiology&id=338493

 

Literaturverzeichnis

Borde, R., Hortobágyi, T. & Granacher, U. (2015). Dose-Response Relationships of Resistance Training in Healthy Old Adults. A Systematic Review and Meta-Analysis. Sports medicine (Auckland, N.Z.), 45 (12), 1693-1720. doi: 10.1007/s40279-015-0385-9.

Bös, K. (1987). Handbuch sportmotorischer Tests: Verl. für Psychologie Hogrefe.

Cooney, G. M., Dwan, K., Greig, C. A., Lawlor, D. A., Rimer, J., Waugh, F. R. et al. (2013). Exercise for depression. The Cochrane database of systematic reviews (9), CD004366. doi: 10.1002/14651858.CD004366.pub6.

Prieske, O., Krüger, T., Aehle, M., Bauer, E. & Granacher, U. (2018). Effects of Resisted Sprint Training and Traditional Power Training on Sprint, Jump, and Balance Performance in Healthy Young Adults. A Randomized Controlled Trial. Frontiers in physiology, 9, 156. doi: 10.3389/fphys.2018.00156.

Schmidt, R. A. & Wrisberg, C. A. (2008). Motor learning and performance. A situation-based learning approach (4. ed.).